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Publikationen

Umsatzsteuerliche Neuerungen 2020

Steuerreformgesetz und Abgabenänderungsgesetz 2020

Mit 1.1.2020 treten das Steuerreformgesetz 2020 und das Abgabenänderungsgesetz 2020 in Kraft, die ua. einige umsatzsteuerliche Neuerungen mit sich bringen. Worauf sich Unternehmer freuen dürfen, aber auch vorbereiten müssen in aller Kürze zusammengefasst:

Die Umsatzgrenze für Kleinunternehmer wird von EUR 30.000 auf EUR 35.000 angehoben. Diese Grenze versteht sich als „Nettogrenze“. Das heißt bei Umsätzen, die dem Regelsteuersatz von 20% unterliegen, können Kleinunternehmer „Brutto“-Umsätze bis zu EUR 42.000 tätigen, ohne Umsatzsteuer dafür abführen zu müssen. Für Umsätze, die dem ermäßigten Steuersatz von 10% unterliegen (bspw. Vermietung zu Wohnzwecken), liegt die „Brutto“-Umsatzgrenze entsprechend bei EUR 38.500.

Anschaffungen und der Betrieb von E-Krafträdern (z.B. Elektrofahrräder, E-Motorräder, E-Quads, Selbstbalance-Roller) mit einem CO2 Emissionswert von 0g/km, sind (im Ausmaß der betrieblichen Nutzung) ab 1.1.2020 zum Vorsteuerabzug zugelassen. Damit erfolgt eine Angleichung an die Regelung für E-Autos, die bereits seit 1.1.2016 zum Vorsteuerabzug berechtigen.

Der Umsatzsteuersatz für E-Publikationen (E-Books, Online-Zeitschriften und sonstige elektronische Publikationen, die im Wesentlichen dieselbe Funktion wie physische Druckwerke aufweisen) wird auf 10% gesenkt. Mit dieser Senkung wird der Forderung nach einer Gleichstellung der Lieferung/Zurverfügungstellung von E-Publikationen mit der Lieferung physischer Druckwerke Rechnung getragen.

Auf EU-Ebene wurden die Voraussetzungen für eine steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung erweitert. So hat der Abnehmer dem Unternehmer die UID-Nummer des anderen Mitgliedsstaates mitzuteilen und der Unternehmer hat eine Zusammenfassende Meldung abzugeben. Was ist daran neu? Die Zusammenfassende Meldung war bislang keine materielle Voraussetzung für die Steuerfreiheit einer innergemeinschaftlichen Lieferung, sondern „nur“ ein Formalerfordernis. In Zukunft ist verstärkt Augenmerk auf die (fristgerechte) Abgabe der Zusammenfassenden Meldung zu legen. Reminder: Die Zusammenfassende Meldung ist bis zum Ablauf des Folgemonats, in welchem meldepflichtige Lieferungen/sonstige Leistungen bewirkt wurden, abzugeben. Die Frist weicht daher von jener der UVA (15. des zweitfolgenden Monats) ab!

Die Nachweispflichten in Zusammenhang mit innergemeinschaftlichen Lieferungen werden EU-weit vereinheitlicht. Gleich vorweg: Unternehmer, die aus Österreich innergemeinschaftliche Lieferungen ausführen, können weiterhin die bisherigen Nachweise erbringen! Für den Fall, dass Unternehmer auch innergemeinschaftliche Lieferungen in anderen EU-Ländern bewirken, sind sie nicht mehr von den nationalen Regelungen zu den Nachweispflichten der einzelnen Mitgliedsstaaten abhängig, sondern können eine vereinheitlichte Nachweisführung erbringen. Sie möchten detaillierte Informationen hinsichtlich der neuen Nachweisführung? Kontaktieren Sie uns!

Eine weitere Neuerung auf EU-Ebene gibt es beim innergemeinschaftlichen Reihengeschäft. So kann nun der Zwischenhändler (das ist jener, der weder der erste noch der letzte Unternehmer in der Reihe ist und die die Beförderung oder Versendung durchführt) de facto wählen, ob er eine innergemeinschaftliche Lieferung empfängt oder selbst ausführt. Möchte er die innergemeinschaftliche Lieferung selbst ausführen, weil er bspw. im Bestimmungsland nicht zur Umsatzsteuer registriert ist, so hat er seinem Lieferanten die UID-Nummer des Mitgliedsstaates mitzuteilen, von dem aus die Gegenstände versendet/befördert werden. In diesem Fall wird dem Zwischenhändler eine Inlandslieferung von seinem Lieferanten fakturiert. Dem Zwischenhändler selbst, ist die steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung zuzuordnen. Hört sich kompliziert an? Wir räumen Ihre Unklarheiten gerne aus dem Weg!

Schließlich wurde erfreulicherweise auch eine EU-weite Vereinheitlichung der Konsignationslagerregelung geschaffen. Ausgangssituation: Ein Unternehmer versendet Waren zu seiner Verfügung in ein Lager beim Kunden in einen anderen Mitgliedsstaat. Der Kunde kann sich bei Bedarf Waren aus dem Lager entnehmen. Fraglich und in jedem Mitgliedsstaat unterschiedlich geregelt war bisher, wie der Grenzübertritt der Waren umsatzsteuerlich zu behandeln ist. Die neue Regelung bewirkt, dass  – unter gewissen Voraussetzungen – erst die tatsächliche Warenentnahme aus dem Konsignationslager durch den Kunden eine innergemeinschaftliche Lieferung darstellt. Sie haben ein oder mehrere Konsignationslager innerhalb der EU? Wir beraten Sie gerne, was in Zukunft zu beachten ist!